Zum Leonharditag am 6. November

Die Leonhardikirche in Bad St. Leonhard im Lavanttal gilt als eines der „schönsten und edelsten Sakralbauwerke der frühen Gotik in Kärnten“. Das Gotteshaus, das nicht nur zu den eindrucksvollsten, sondern auch zu den größten frühgotischen Kirchen des Landes zählt, stammt im Wesentlichen aus den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. Verehrt wird dort auch der heilige Leonhard, der Schutzpatron der Gefangenen und der Tiere.

Der heilige Leonhard, auch Lienhard genannt, lebte im 6. Jahrhundert und entstammt einem edlen fränkischen Geschlecht. Seine Jugend verbrachte er am Hofe König Chlodwigs, wo er sich unter dem Einfluss geistlicher Lehrer vom prunkvollen Leben des Adels abwandte und die christliche Religion kennenlernte. Er ließ sich taufen und wurde zum Priester, später sogar zum Bischof geweiht.

Hl. Leonhard
Kette an der Leonhardikirche

Gründer eines Klosters

Bald darauf verließ Leonhard den Königshof und zog sich in die Einsamkeit der Wälder von Limoges zurück. Der Einsiedler, dem man schon bald zahlreiche Wundertaten nachsagte und der vor allem der Landbevölkerung in schweren Notzeiten beistand, fand bald viele begeisterte Anhänger, die seinem Beispiel folgen wollten.

Aus der kleinen Einsiedelei entstand allmählich eine eigene Klostergemeinschaft, der König Chlodwig das umliegende Land, Nobiliacum genannt, vermachte. Leonhard war der erste Abt des Klosters Noblac und verbrachte bis zu seinem Todestag, dem 6. November des Jahres 559, zahlreiche Wundertaten.

Schutzpatron nicht nur der Gefangenen und der Tiere

Schon seinen Zeitgenossen galt Leonhard, der bildlich mit gesprengten Ketten und Fesseln dargestellt wird, als Befreier unschuldiger Gefangener und als Schutzpatron der Tiere. Aber auch als Helfer schwangerer Frauen und als Erlöser aus geistiger Umnachtung wird der Heilige seit Jahrhunderten verehrt.

Im Memorabilienbuch der Pfarre St. Leonhard soll auch die Geschichte jenes Mannes festgehalten sein, der mit Hilfe des heiligen Leonhard aus türkischer Gefangenschaft entkommen konnte. Zum Dank ließ er eine schmiedeeiserne Kette anfertigen und zweimal um die Kirche schlingen. Die Kette, die aus dem späten 15. Jahrhundert stammte, blieb bis zum 18. Jahrhundert erhalten, wurde dann aber abgenommen und eingeschmolzen. Das Eisen verwendete man zur Herstellung von Kriegsgerät. Die heute an der Außenmauer angebrachte Kette stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Eiserne Opfergaben am Leonharditag

Auch die eisernen Opferfiguren, die früher von Bauern selbst geschmiedet und dem heiligen Leonhard am 6. November dargebracht wurden, haben ihre Wurzeln in sehr alter, vielleicht noch vorchristlicher Zeit. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bäuerlichen Menschenaus dem oberen Lavanttal urgeschichtliche und frühmittelalterliche Formen auf diese Weise über Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende hinweg fast unverändert überliefert haben.

Am Leonharditag, der in St. Leonhard zumindest schon im Mittelalter als besonderer Festtag galt, stellten die Bauern eiserne Nachbildungen von Ochsen und Kühen, Pferden, Schweinen, Schafen und Ziegen auf den Altar, um ihren Hof und ihre Tiere vor Naturkatastrophen und Krankheiten zu schützen. Wenn es um menschliche Leiden ging, trug man eiserne Nachbildungen einzelner Gliedmaßen, vor allem Arme und Beine, nach St. Leonhard, um den Heiligen gütig zu stimmen und um Fürbitte zu ersuchen.

Ein reicher Bürger aus Judenburg dankte dem Heiligen für die Gesundung seiner Kinder, und 1670 erlangte eine blinde Frau nach einer Wallfahrt nach St. Leonhard wieder ihr Augenlicht. Eine andere Frau wurde aus ihrer geistigen Umnachtung befreit, und 1413 brachte ein Mann, der mit Hilfe des heiligen Leonhard dem Gefängnis entkommen war, eine Opfergabe dar. Kein Wunder, dass sich von Jahr zu Jahr mehr Wallfahrer auf den Weg nach St. Leonhard machten.

Werner M. Thelian (c) 1995

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