170-Jahr-Jubiläum eines Lavanttaler Industriedenkmals

Hammer-Hochofen in Frantschach-St. Gertraud. Foto: Redaktion

In Frantschach-St. Gertraud wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach österreichische und europäische Industriegeschichte geschrieben. Der Hammer-Hochofen, 1848 erbaut, ist heuer 170 Jahre alt und ein weithin bekanntes Industriedenkmal.

Schon im Mittelalter, als das Gebiet der heutigen Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud noch größtenteils zu den Besitzungen des fränkischen Bistums Bamberg gehörte, wurde auch in diesem Teil des Lavanttales Eisenerz abgebaut und in Schmelzöfen und Hammerwerken verarbeitet. Aus dem gewonnenen Roheisen wurden u.a. Schmiedeeisen, Nägel und Draht hergestellt. Nachdem die Kärntner und Lavanttaler Besitzungen des Bistums in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an das österreichische Kaiserhaus verkauft wurden, forcierte man die wirtschaftliche Nutzung der vorhandenen Bodenschätze erneut. 1825 erwarben die international tätigen Brüder Rosthorn die damals noch getrennten Orte Frantschach und St. Gertraud, um hier – erstmals in den österreichischen Alpenländern – den modernen Puddlingprozess zur Eisenerzeugung einzusetzen. Frantschach wurde nach und nach zur zentralen Verarbeitungsstätte für alle Lavanttaler Eisenbergbaue ausgebaut.

1848 erbaut

1848 wurde im Auftrag von Graf Hugo Henckel von Donnersmarck der Hammer-Hochofen in St. Gertraud errichtet, der weitaus leistungsfähiger als seine Vorgänger war. Hier wurde das Eisenerz aus den Lavanttaler Bergwerken geschmolzen und anschließend im Hammer und im Walzwerk in Frantschach u.a. zu Eisenbahnschienen, Schiffsblechen und Kessel verarbeitet. Als dann aber aus wirtschaftlichen Gründen immer bedeutendere Teile der Eisenproduktion in das steirische Zeltweg verlagert wurden, setzte in Frantschach und St. Gertraud ein allmählicher Niedergang ein. Das Aus kam schließlich 1875, als sowohl der Hammer-Hochofen in St. Gertraud als auch das Eisen­werk in Frantschach stillgelegt wurden.

Aber schon wenige Jahre später wurde ein neuer und besonders zukunftsweisender Wirtschaftszweig entdeckt. 1881 ließ Graf Henckel von Don­­nersmarck in Frantschach eine Natronzellstoff-Fabrik einrichten, in der aus Holz hochwertige Zellulose gewonnen wurde. Der Absatz entwickelte sich derart zufriedenstellend, dass das Werk in weiterer Folge mehrfach ausgebaut und 1920 an den Papierindustriellen Wilhelm Hartmann verkauft werden konnte. Heute gehört die Papier- und Zellstoffproduktion zur weltweit agierenden Mondi AG.

Der alte Hammer-Hochofen erhebt sich als turmähnlicher Bau im Nordteil der Marktgemeinde. Der “Hammer”, wie er genannt wird, steht unter Denkmalschutz. Er ist das Wahrzeichen der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud und befindet sich in Privatbesitz.

Werner Thelian