Auf dem Weg in die Sommerau kommt man am sogenannten „Teufelspredigtstuhl“ vorbei, der sich direkt an der Straße durch den Graben befindet. Leicht könnte man ihn übersehen, hätte man die betreffende Stelle nicht schon vor einiger Zeit mit Hinweisen und einer Informationstafel ausgestattet. Und auch durch die Erwähnung in mehreren Büchern, in Zeitungen und Internetforen hat dieser Ort einige Bekanntheit erlangt.

Beim Teufelspredigtstuhl handelt es sich um einen wuchtigen Felsbrocken, der geheimnisvolle Zeichen trägt. Über das Alter der Symbole und Zeichen ist bisher ebenso wenig bekannt, wie über ihre Bedeutung und ihren ursprünglichen Zweck. Die Fachwelt rätselt noch heute.

Manche, die sich mit dem Rätsel beschäftigt haben, sind der Meinung, dass es sich bei den in den Stein geschlagenen Zeichen um Markierungen und Hinweise fremdländischer Erz- und Mineraliensucher handelt. Die sollen vor etlichen Jahrhunderten in diese Gegend gekommen sein, um das Vorkommen und die Lage wertvoller Bodenschätze zu erkunden. In diesem Zusammenhang fällt dann oft der Begriff „Walenzeichen“, weil solche Erzsucher und Prospektoren meistens aus dem italienischen Raum kamen und deshalb als „Welsche“ oder eben „Walen“ bezeichnet wurden.

Die einheimische Bevölkerung, die eher selten mit diesen auf Geheimhaltung getrimmten Männern in Kontakt kam und auch gar nicht verstand, was sie machten und sprachen, sagte ihnen nicht selten magische Kräfte nach. Das fremdländische Aussehen und das vermeintliche Kauderwelsch, das sie von sich gaben, aber auch ihre Arbeitstechniken machten die Fremden mysteriös und geheimnisvoll.

Die Zeichen am Teufelspredigtstuhl wurden aber auch schon als verschlüsselte Botschaften ganz anderer Herkunft interpretiert. Als „Gaunerzinken“ nämlich, also als Hinweise, die früher manchmal Diebe, Bauernfänger und Betrüger hinterließen. Warum sie das machten? Um andere, ihnen nachfolgende Gauner über möglicherweise besonders vielversprechende Opfer zu informieren oder sie vor misstrauischen Bauern und bissigen Hunden zu warnen.

Am wahrscheinlichsten jedoch ist, dass die Oberlavanttaler Felszeichen mit dem früheren Bergbau in der Gegend in irgendeinem Zusammenhang stehen. Der Sage nach soll der Fels übrigens von Satan selbst an diese Stelle befördert worden sein. Der Höllenfürst schleuderte den Brocken in seiner großen Wut, als er erfuhr, dass sich die Menschen im oberen Tal zum Christentum bekehrt hatten. So wird es jedenfalls seit Generationen überliefert.

Werner Thelian