LKH Wolfsberg – Vom Spital „Erzherzogin Marie Valerie“ zum Landeskrankenhaus

Im Landeskrankenhaus Wolfsberg kann man auf über 130 Jahre wechselvolle Geschichte zurückblicken. Was mit der feierlichen Grundsteinlegung am 24. April 1879 begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zur bedeutendsten Gesundheitseinrichtung im Bezirk. Heute ist das LKH Wolfsberg das drittgrößte Krankenhaus Kärntens und der größte Gesundheitsversorger der Region.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Lavanttalerinnen und Lavanttaler wie auch im übrigen Österreich bei rund 45 Jahren. Heute, 125 Jahre später, können wir uns im Durchschnitt bereits auf etwa 80,4 Lebensjahre einstellen – Frauen auf etwas mehr, Männer auf etwas weniger.

Obwohl und gerade weil der menschliche Körper seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts kaum widerstandsfähiger geworden ist, lässt sich der seit dieser Zeit bemerkenswert kontinuierlich verlaufene Anstieg der Lebenserwartung durch eine Reihe anderer Faktoren erklären: u. a. durch bessere Ernährung, Hygiene, Impfstoffe und Arzneimittel, verbesserte Operationstechniken und die Möglichkeiten der modernen Transplantationsmedizin, durch bessere Diagnosemöglichkeiten und einen starken Rückgang der Säuglingssterblichkeit.

So gesehen ist die relativ hohe Lebenserwartung von heute in erster Linie ein Verdienst der Medizin, die gerade zu Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert enorme Fortschritte zu verzeichnen hatte. Gepaart mit immer moderneren Techniken, setzt sie Tag für Tag alles daran, um uns bei einigermaßen guter Gesundheit zu erhalten und auf möglichst ebenen Lebenswegen bis ins hohe Alter zu führen. In keiner anderen Einrichtung des Tales findet dieses Bemühen seit so langer Zeit deutlichen Ausdruck wie im Landeskrankenhaus Wolfsberg, das 1879 als Krankenhaus „Erzherzogin Marie Valerie“ gegründet wurde, 1881 in Betrieb ging und mittlerweile auf über 130 Jahre einer wechselvollen Entwicklung zurückblickt.

Jahrelange Bemühungen

Die Gründung des Krankenhauses in Wolfsberg fällt in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts und damit in eine Zeit, die von Eisen und Stahl, Erfindergeist und Fortschrittsglaube geprägt war. 1879, im Jahr der Grundsteinlegung, war Charles Darwin, der Begründer der mo­dernen Evolutionstheorie, noch am Leben und in Ulm erblickte Albert Einstein das Licht der Welt. Der Amerikaner Thomas Alva Edison entwickelte die Glühbirne mit Schraubsockel, und der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch forschte nach den Erregern so gefürchteter Krankheiten wie der Lungentu­ber­kulose.

Der rasante wirtschaftliche und industrielle Aufschwung jener Zeit machte sich damals auch im Lavanttal bemerkbar. Der Bergbau, die bis zum Wirtschaftskrisenjahr 1873 blühende Eisenindustrie, aber auch die 1792 in Wolfsberg eröffnete Bleiweißfabrik, die Schuhfabriken und die Gerbereien brachten es mit sich, dass die medizinische Versorgung der (arbeitenden) Bevölkerung zu einem immer wichtigeren Anliegen wurde. Schließlich ging es darum, die Arbeitskraft der Menschen zu erhalten und jene, die von vornherein bei eher schlechter Gesundheit waren, durch Wiederherstellung und Genesung für den Arbeitsmarkt zu gewinnen.

In Wolfsberg gab es damals schon seit einiger Zeit das „Spital in der Herrengasse“, das von der Bleiweißfabrik als kleines Werksspital genutzt wurde. Es befand sich in einem straßenseitig ausgerichteten Zubau beim sogenannten „Kraschowitz-Haus“ und diente der medizinischen Versorgung und der Pflege kranker Betriebsangehöriger. Das Spital bestand lediglich aus einem Krankenzimmer mit ein paar Betten und wurde 1881 – nach der Inbetriebnahme des Krankenhauses „Erzherzogin Marie Valerie – aufgelassen.

Der immer größer werdende Bedarf an ärztlicher Versorgung und die Erfordernisse der „modernen“ Arbeitswelt hatten Vertreter der Wirtschaft und Politik ab den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts veranlasst, für den Bau eines größeren und besser ausgestatteten Krankenhauses in Wolfsberg einzutreten. Eine der treibenden Kräfte war Paul von Herbert, der nicht nur Abgeordneter zum Kärntner Landtag, sondern auch Mitinhaber der Bleiweißfabrik und vermögender Gutsbesitzer war. Als er 1871 im Landtag die Errichtung eines öffentlichen Spitals für die Gemeinden des Bezirkes beantragte, erzielte der Antrag nicht die erforderliche Zustimmung. Dennoch wurde im Landtag beschlossen, ein zinsenloses Darlehen in der Höhe von 3.000 Gulden zur Verfügung zu stellen, sollte der Bau des Krankenhauses auf Eigeninitiative im Bezirk verwirklicht werden.

1873 schaltete sich auch der Bergbauindustrielle Graf Hugo Henckel Freiherr von Donnersmarck ein und spendete 3.000 Gulden für die Errichtung des Spitals. Dadurch gelang es, weitere „Inves­toren“ von der Sinnhaftigkeit einer finanziellen Beteiligung an dem Projekt zu überzeugen. Wahrscheinlich ist es auf den Einfluss von Förderern wie Henckel von Donnersmarck und Herbert zurückzuführen, dass kurz darauf in Klagenfurt die „Grundsätze für die Errichtung und Verwaltung öffentlicher Krankenhäuser in Kärnten“ formuliert und am 22. August 1875 von der k.u.k.-Re­­gie­rung beschlossen wurden. Hier waren die Aufgaben und Pflichten der öffent­lichen Krankenhäuser niedergeschrieben, und gleichzeitig wurde festgelegt, wie ihre Verwaltung und ihre wirtschaftliche Gebarung erfolgen sollten.

Der Bau des Krankenhauses

Der Bau des Wolfsberger Krankenhauses begann am 24. April 1879 Wirklichkeit zu werden. Es war der Tag der Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth von Österreich, der überall in der Monarchie gefeiert wurde und in Wolfsberg den passenden Rahmen für die Grundsteinlegung des Krankenhauses bot.

Schon einige Zeit davor hatte man den Monar­chen ersucht, das Spital nach einem Mitglied der kaiserlichen Familie benennen zu dürfen. Seine Majestät hatte der Erfüllung dieses Wunsches zu­gestimmt und die Erlaubnis gegeben, das Haus auf den Namen seiner jüngsten Tochter, Erzherzo­gin Marie Valerie, zu taufen, die zwei Tage vor der Grundsteinlegung ihren elften Geburtstag feierte.

Nach der Grundsteinlegung wurde der von Architekt Karl Piesel geplante Kran­kenhausbau vom Un­ter­nehmen des St. An­dräer Baumeisters Andreas Tschernitschek ausgeführt. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden, durch ein unverzinsliches Dar­lehen des Landes Kärnten und der Sparkasse Wolfsberg sowie Mitteln aus den direkten Steuern der meisten Gemeinden des Bezirkes. Lediglich die Gemeinden Ettendorf, Lavamünd und das heute zu Slowenien gehörende Unterdrauburg (Dravo­grad) zeigten am Bau des Kran­kenhauses in Wolfsberg nach wie vor wenig Interesse, da ihnen – so wurde argumentiert – die Krankenhäuser in Windischgraz (heute die slowenische Stadt Slovenj Gradec) und in Klagenfurt näher lägen.

Den Bauplatz für das Krankenhaus hatte man mit großer Sorgfalt ausgewählt. Im Südosten der Stadt, im Ortsteil Gries, gab es geeignete Grundstücke, die noch unverbaut waren. Krankenhäuser wurden damals meistens am Stadtrand gebaut, wobei die Lage so beschaffen sein musste, dass die herrschenden Winde den Haus- und Industrierauch nicht zum Krankenhaus trugen.

Der Untergrund sollte möglichst trocken sein und der Grundwasserspiegel möglichst tief liegen. Von besonderer Bedeutung war auch, ob man am gewählten Standort über frisches und reines Wasser in großer Menge verfügte. Zusätzlich wurden entsprechende Vorkehrungen für den Anschluss an das Wasserversorgungsnetz und die Abwasserentsorgung getroffen. Dass die das Krankenhaus umgebende Natur für Park- und Gartenanlagen nutzbar gemacht werden konnte, gehörte ebenfalls zu den Grundvoraussetzungen für Standortwahl und Planung.

Für eine weitgehende Abschottung der Kranken gegenüber der Außenwelt – eine Maßnahme, die für den Genesungsprozess für unbedingt erforderlich gehalten wurde – sorgten hohe Mauern und Zäune. „Der Krankenbesuch ist in den Stunden von 12 Uhr Mittag bis 3 Uhr Nachmittag in allen nicht geschlossenen Abteilungen jedermann gestattet“, wird es später in der Hausordnung heißen.

1881 eröffnet

Das in den Jahren von 1879 bis 1881 erbaute Krankenhaus „Erzherzogin Marie Valerie“ konnte am 13. November 1881 vom Wolfsberger Bürgermeis­ter Wolfgang Pirker seiner Bestimmung übergeben werden. Das Krankenhaus bot nach der Eröffnung Platz für 50 Patienten, die damals und noch lange Zeit als „Pfleglinge“ bezeichnet wurden. Im Eröffnungsjahr waren 181 Patienten zu verzeichnen.

Die Leitung des Hauses wurde in die Hände des erfahrenen und angesehenen Distriktsarztes Medizinalrat Dr. Ludwig Mann gelegt. Mann war 43 und der erste und für lange Zeit auch einzige Primarius des Hauses, das damals nur aus einer Abteilung – der chirurgischen – bestand. Er machte sich in den schwierigen Anfangsjahren durch die besonders umsichtige Führung des Krankenhauses verdient.

Die Pflege der Kranken übernahmen Mitglieder des geistlichen Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, die von der Ordensprovinz Graz aus nach Wolfsberg entsandt wurden. Als erste Oberin im Krankenhaus ist Schwester Klara Grasmugg belegt, die sich ab November 1881 dem Aufbau und der Organisation der Pflege widmete. Sie führte die mit ihr nach Wolfsberg gekommenen Ordensschwestern ebenso an wie das weltliche Pflege- und Wartpersonal.

Das Spital wird Landeskrankenhaus

Ab 1920 sahen sich die Lavanttaler Gemeinden nicht mehr in der Lage, zusätzliche finanzielle Bürden für „ihr“ Krankenhaus auf sich zu nehmen. Nach schwierigen Verhandlungen und einigem Hin und Her blieb dem Land Kärnten schließlich nichts anderes übrig, als das von der Bevölkerung so dringend benötigte Spital in seine Obhut zu übernehmen.

Diese weitreichende Entscheidung erfolgte auf der Grundlage des Krankenhausgeset­zes vom 15. Juli 1922, das vorsah, defizitäre und daher wirtschaftlich nicht aus eigener Kraft lebensfähige Krankenhäuser ent­weder zu schließen oder, wenn sie für die medizinische Versorgung der Region unverzichtbar waren, unter die Leitung des Landes, eines Bezirks oder einer Gemeinde zu stellen. So wurde das allgemeine Krankenhaus „Erzherzogin Marie Valerie“ 1922 zum „Landes-Krankenhaus Wolfsberg“.

Im Jahr darauf wurden der Krankenhausleitung vom Landesausschuss die neuen Satzun­gen und eine neue Hausordnung übermittelt. Beide orien­tier­ten sich jedoch im wesentlichen an den älteren Satzungen aus der Gründungszeit des Krankenhauses, gewährleisteten aber zusätzlich auch eine strengere Kontrolle durch die entsprechenden Stellen des Landes. Vor allem die finanzielle Gebarung des Hauses wurde nun unter die direkte Kontrolle und Aufsicht des Landesausschusses und seiner Beamten gestellt.

Klingelanlage und Röntgenapparat

Obwohl die finanziellen Mittel auch weiterhin alles an­dere als üppig in die Gesundheitsversorgung des Bezirkes Wolfsberg flossen, konnte auf der Grundlage der neuen Verhältnisse endlich wieder Vorsorge für die Zukunft getroffen werden. Die Krankenhausleitung und die Verantwortlichen des Landes machten sich daran, umliegende Grundstücke anzukaufen, um in späterer Zeit über ausreichenden Platz für die Erweiterung des Spitals zu verfügen.

Neben den laufenden, jedoch bescheidenen Einnahmen aus der Behandlung Kranker und den Zuschüssen des Landes blieb man auch weiterhin auf gelegentliche Zuwendungen privater Spender angewiesen. Die Unterstützung der Bevölkerung für das Krankenhaus wurde 1925 besonders eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Krankenhausleitung hatte schon seit einiger Zeit darauf gedrängt, eine Klingelanlage für das Haus anzuschaffen. Um die erforderlich­en finanziellen Mittel aufzubringen, beschloss man, eine Sammlung im Bezirk durchzuführen.

Über diese Sammelaktion berichteten die Un­ter­kärnt­ner Nachrichten, dass auch die Arbeiter in den Fabriken freiwillig Überstunden leisteten, um so einen Beitrag für die Anschaffung der Klin­gelanlage leisten zu können. Weil das Ergebnis der Sammlung schließlich selbst die optimistischsten Er­wartungen über­­traf und sich auch einige größe­re Spon­soren aus der Wirtschaft beteiligten, konnte das Krankenhaus neben der Klingelanlage auch eine Röntgenapparatur, ein Narkose-Sauer­stoffgerät und eine künstliche Höhensonne erwerben. Die so geschaffene kleine Röntgenabteilung bedeutete für das Bezirkskrankenhaus einen enormen Modernisierungsschub.

1926 wurde am Krankenhausareal mit dem Bau eines neuen Pavillons begonnen, der für die Aufnahme der Chirurgischen Abteilung bestimmt war. Das Gebäude konnte schon zwei Jahre später, im Oktober 1928, bezogen und offiziell eröffnet werden. Im Jahr 1930 wurden im Krankenhaus insgesamt 2.152 Patienten behandelt. Die Zahl der Krankenbetten war bis zum Jahr 1929 auf 156 Betten angestiegen.

Bauliche Weiterentwicklung

Die wirtschaftlich außerordentlich schwierigen 1930er-Jahre und die Zeit während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ließen keine weiteren Investitionen zu. Wohin man im Krankenhaus auch blickte, überall herrschte dringender Instandsetzungsbedarf. Obwohl sich die Anzahl der regulär zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten bis 1950 (300 Betten) nahezu verdoppelt hatte, mussten immer häufiger Patienten abgewiesen werden.

Weil dieser Zustand für ein öffentliches Krankenhaus im Grunde aber untragbar war, forderte man überall im Bezirk mit immer mehr Nachdruck den weiteren Ausbau des Spitals. 1953 erwarb das Land Kärnten weitere Grundstücke in der unmittelbaren Nachbarschaft, um das Krankenhaus künftig nach Süden hin erweitern zu können. Als 1959 dann tatsächlich mit dem Bau einer neuen Chirurgischen Abteilung im Südbereich begonnen wurde, mussten die Gemmersdorfer Straße und der Griesbach verlegt werden. In der neuen Chirurgie, die 1963 eröffnet werden konnte, wurde neben der Allgemeinchirurgie, der Geburtenstation, einer Kinderstation und der Anästhesie auch eine eigene Unfallstation eingerichtet.

Das LKH Wolfsberg heute

Heute ist das LKH Wolfsberg das drittgrößte Krankenhaus Kärntens und aus der regionalen Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken. Das Krankenhaus, in dem jährlich rund 16.000 Patienten stationär und rund 41.000 Patienten ambulant behandelt werden, hat sich über sein vielfältiges medizinisches, pflegerisches und therapeutisches Leistungsspektrum hinaus vor allem als „Haus der Begegnung, der Menschlichkeit und Geborgenheit” einen Namen gemacht.

Über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bereichen Medizin, Pflege und Therapie, aber auch aus den verschiedenen Abteilungen  der Verwaltung, der Technik und der Hilfsdienste sorgen dafür, dass sich die Patienten im LKH Wolfsberg rund um die Uhr wohlfühlen und hier die besten Bedingungen vorfinden. Qualität und menschliches Miteinander stehen dabei im Vordergrund.

Seit 1993 ist das LKH Wolfsberg mit dem Klinikum Klagenfurt am Wörthersee und den Landeskrankenhäusern Villach, Laas und Gail­tal-­Klinik (Hermagor) unter dem Dach der Landeskranken­an­stalten-Betriebs­gesellschaft KABEG vereint.

Mag. Werner M. Thelian

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