Die keltische Kulttreppe am Burgstallhügel bei St. Paul

Kulttreppe am Burgstallhügel. Foto: Redaktion

Im Lavanttal und in der Paracelsusregion kann man mancherorts noch Zeugnissen und Denkmälern aus der keltisch-römischen Vergangenheit Kärntens begegnen. So auch im Bereich des Burgstallhügels im unteren Lavanttal, wo sich vor über 2.000 Jahren der sogenannte „Latobius-Mars-Tempel“ erhob. Eine steinerne Kulttreppe blieb bis heute erhalten.

In den 1920er Jahren gelang es einem Wiener Archäologieprofessor am Burgstallhügel bei St. Margarethen (Marktgemeinde St. Paul) die Spuren eine Tempels nachzuweisen, der einst der norisch-keltischen Gottheit Latobius (später röm. Mars) geweiht war. Obwohl die Tempelanlage völlig zerstört vorgefunden wurde, gelang es, ihr ehemaliges Aussehen mit Hilfe des Modellbaus zu rekonstruieren.

Zentrum des Tempelbezirks (Ausschnitt). Modell im Benediktinerstift St. Paul. Foto: Redaktion

Ein besonders aussagekräftiges Modell wurde in den 1980er Jahren nach einem Entwurf des Archäologen Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum angefertigt und 1991 im Rahmen der Kärntner Landesausstellung im Benediktinerstift St. Paul erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. Im Museum des Stifts befindet es sich noch heute.

Demnach erhob sich der keltisch-römische Umgangstempel einst auf dem Plateau des Burgstallhügels und besaß einen annähernd quadratischen Grundriss. Er war von einem weiten Hof umgeben, der von starken Mauern geschützt war. Anhand einer vorgefundenen Inschrift war es den Archäologen möglich, das Tempelheiligtum dem keltischen Kriegs- und Stammesgott Latobius (später der röm. Kriegsgott Mars) zuzuweisen.

Kulttreppe neben der Lavant. Foto: Redaktion

Das hohe Maß der Zerstörung, mit dem sich die Ausgräber in den 1920er Jahren konfrontiert sahen, wurde von Anfang an auf die bewegte Zeit des vierten nachchristlichen Jahrhunderts zurückgeführt. Damals gingen vielerorts im Alpenraum die Christen daran, die ehemaligen „heidnischen“ Anlagen zu zerstören. Das dürfte auch das Schicksal des Latobius-Mars-Tempels am Burgstallhügel besiegelt haben.

Aber noch heute kann man im Bereich der einstigen Tempelanlage die Reste einer steinernen Treppe sehen, die vom Plateau hinunter zu einem Wasserbecken an der Lavant führt. Dieses diente in keltisch-römischer Zeit wohl als Kult- und Schöpfbecken und wurde wahrscheinlich mit Wasser aus dem Lavantfluss gefüllt.

Werner Thelian