Am Samstag, dem 26. September 2026, findet in Bad St. Leonhard erneut eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hexenverfolgung im Lavanttal statt. Treffpunkt ist um 17 Uhr bei der Gedenktafel am Quellenwanderweg Q3 zwischen Auenweg und Steinbruchweg. Unweit davon erinnert das von der Künstlerin Adina Camhy geschaffene Monument „UEBERAINS WERDEN“ an einen historischen Ort der Gewalt – und zugleich an Mechanismen von Ausgrenzung und Verfolgung, die weit über die Ereignisse des ausgehenden Mittelalters hinausweisen.

Erinnerung an die Opfer der Hexenverfolgung
Im Mittelpunkt steht der Hexenprozess von 1493 in Bad St. Leonhard. Er gehört zu den frühen Prozessen im Raum des heutigen Österreich, bei denen der Vorwurf eines „Teufelspakts“ zu Hinrichtungen führte. Drei Frauen wurden damals verfolgt, verurteilt und getötet.
Die überlieferten Prozessakten dokumentieren nicht nur das Schicksal der Beschuldigten, sondern auch Vorstellungen und Mechanismen, mit denen Verfolgung gerechtfertigt wurde. Begriffe aus diesen Quellen bilden den Ausgangspunkt für das künstlerische Monument, das Adina Camhy für den historischen Ort entwickelt hat.
„UEBERAINS WERDEN“ – historische Worte neu gelesen
Der weithin sichtbare Schriftzug „UEBERAINS WERDEN“ greift eine Formulierung aus dem Zusammenhang der historischen Verfolgung auf. Worte, die einst gegen die beschuldigten Frauen verwendet wurden, werden dabei aus ihrem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang gelöst und neu interpretiert.
„Uebereins werden“ kann heute als Zusammenkommen, als Herstellen von Verbindung und solidarischen Beziehungen gelesen werden. Aus einem Bestandteil historischer Ausgrenzung wird damit ein Gegenbild: Menschen treten miteinander in Beziehung, statt andere auszugrenzen oder zu Sündenböcken zu machen.
Das Monument verweist dadurch nicht nur auf die Opfer des Jahres 1493. Es stellt zugleich Fragen an die Gegenwart: Wie entstehen gesellschaftliche Ausgrenzung und Zuschreibungen? Wie werden Menschen zu Außenseitern gemacht? Und welche Verantwortung entsteht daraus für den Umgang miteinander?
Ein Monument, das sich mit der Landschaft verändert
„UEBERAINS WERDEN“ ist kein dauerhaft in Stein oder Metall gesetztes Denkmal. Der Schriftzug entsteht auf einer Weide südlich von Bad St. Leonhard nahe der historischen Hinrichtungsstätte. Beim Mähen werden die Buchstaben ausgespart und dadurch in der Landschaft sichtbar.
Mit dem Wachstum des Grases, mit jeder Mahd, mit Licht und Jahreszeit verändert sich das Erscheinungsbild. Schließlich verschwindet der Schriftzug wieder, ehe er erneut sichtbar gemacht werden kann.
Gerade diese Veränderlichkeit gehört zum Konzept des Monuments. Erinnerung wird nicht als abgeschlossener Vorgang verstanden, sondern als etwas, das immer wieder hergestellt werden muss. Das Mähen selbst wird zur Erinnerungsarbeit.
Konzipiert und umgesetzt wurde das Monument von der Künstlerin Adina Camhy. Initiiert wurde das Projekt von der Kulturinitiative Container 25. Im Herbst 2025 wurde es erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.



Gedenkveranstaltung mit Lesung, Buchvorstellung und historischen Rückblicken
Die Gedenkveranstaltung am 26. September 2026 führt die Beschäftigung mit diesem Erinnerungsort fort. Mit Beiträgen aus Kunst, Literatur, Kulturarbeit und historischer Vermittlung werden unterschiedliche Zugänge zur Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart eröffnet.
Die Künstlerin und Autorin Verena Walzl liest einen eigens für diesen Anlass geschriebenen Text.
Der Kulturwissenschaftler und Kulturarbeiter Daniel Gönitzer und die Autorin Katharina Pressl stellen das von ihnen herausgegebene Buch „Nullpunkte der Gewalt. Antisemitismus, Nationalsozialismus und Hexenverfolgung im Lavanttal“ vor. Die Publikation beschäftigt sich mit unterschiedlichen Formen und historischen Schauplätzen von Gewalt und Verfolgung im Lavanttal.
Werner M. Thelian, Autor und Initiator der Quellenwanderwege, berichtet über die Entstehung dieser Wege und darüber, wie der historische Ort der Hexenverfolgung Teil des Quellenwanderweges Q3 wurde.
Adina Camhy erläutert die Hintergründe ihres Monuments „UEBERAINS WERDEN“, seine Entstehung und die Gedanken, die mit der Übertragung der historischen Worte in die Gegenwart verbunden sind.
Ein historischer Ort entlang des Quellenwanderweges Q3
Die Gedenktafel und der Erinnerungsort liegen am Quellenwanderweg Q3 südlich von Bad St. Leonhard. Damit verbindet sich an dieser Stelle Landschaftserlebnis mit historischer Erinnerung.
Die Quellenwanderwege wurden ursprünglich geschaffen, um Natur, Geschichte und Kultur rund um Bad St. Leonhard miteinander zu verbinden. Der Bereich der historischen Hinrichtungsstätte zeigt besonders deutlich, dass solche Wege nicht nur zu landschaftlich reizvollen Orten führen. Sie können auch Geschichten sichtbar machen, die unbequem sind und dennoch zur Geschichte einer Region gehören.
Das Monument „UEBERAINS WERDEN“ erweitert diesen historischen Zugang um eine zeitgenössische künstlerische Perspektive. Vergangenheit wird damit nicht lediglich erklärt, sondern in Beziehung zur Gegenwart gesetzt.
Termin und Treffpunkt
Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hexenverfolgung im Lavanttal
Samstag, 26. September 2026, 17 Uhr
Treffpunkt:
Bad St. Leonhard im Lavanttal
Quellenwanderweg Q3, bei der Gedenktafel zwischen Auenweg und Steinbruchweg
Die Veranstaltung findet am historischen Erinnerungsort südlich von Bad St. Leonhard statt.
Be the first to comment