Die Filialkirche in der Sommerau bei Reichenfels geht auf den mittelalterlichen Bergbau in der Region zurück und ist dem heiligen Oswald geweiht. Foto: wikimedia.

In der Sommerau bei Reichenfels erhebt sich ein markanter Bergkegel, auf dem die alte Filialkirche St. Oswald in der Sommerau steht. Die Kirche, in etwa 1.300 Metern Seehöhe errichtet, soll von Bergknappen erbaut worden sein und ist eine der ältesten Oswaldikirchen in Kärnten. Sie ist 1236 erstmals urkundlich erwähnt, aber manches spricht dafür, dass sie noch um einige Jahrzehnte älter ist und irgendwann im Laufe des 11. Jahrhunderts entstand.

Oswald, dem die Kirche geweiht ist, war ein Heiliger aus England. Er wurde 604 als Sohn des heidnischen Königs Ethelfrieth von Northumbrien geboren, aber schon als Knabe von Mönchen erzogen. Später bekannte sich Oswald aus tiefster Überzeugung zum christlichen Glauben und ließ sich taufen. Als er nach dem Tod seines Vaters selbst den Königsthron bestieg, förderte er die Christianisierung seines Landes. Er stiftete Kirchen und Klöster und war ein frommer und mildtätiger Herrscher. Von Zeit zu Zeit sah er sich jedoch gezwungen, gegen heidnische Nachbarn in den Kampf zu ziehen. Im August 642 unterlag er mit seinem Heer. Oswald wurde auf dem Schlachtfeld getötet und dann von seinen Feinden enthauptet. Sein Kopf und sein rechter Arm wurden auf einem Pfahl aufgespießt und öffentlich zur Schau gestellt. Am Ort von Oswalds Tod sollen sich dann einige Wunder ereignet haben.

Nachdem Oswald schließlich heiliggesprochen wurde, waren sein Schädel und u.a. die Knochen seiner Arme bald begehrte Reliquien. Heute befinden sich Oswald-Reliquien in mehreren englischen und deutschen Kirchen. Die Lebensgeschichte des Heiligen wurde aufgeschrieben und so weitergetragen. Oswald wurde zu einem der populärsten Heiligen des Mittelalters, dem man auch mehrere Lieder und Dichtungen widmete. Noch der bekannte mittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein soll deshalb so stolz auf seinen Vornamen gewesen sein.

Aber zurück zur Oswaldikirche in der Sommerau. Wann man dort damit begann, Edelmetalle abzubauen, ist nicht genau bekannt. Allerdings weiß man, dass schon Kelten und Römer im oberen Lavanttal glitzernde Goldkörner aus Bächen wuschen. Der alte Gegendname „Sommerau“ weist zudem darauf hin, dass das heute eher entlegene Gebiet der Sommerau wahrscheinlich schon um das Jahr 1000 das Interesse bayerischer und fränkischer Siedler auf sich zog. Sie waren im Gefolge jener Grafen gekommen, die das Land im Auftrag von Kaiser Heinrich II. urbar machen und die Besiedelung vorbereiten sollten. Diese Bemühungen, die wohl mit den vorhandenen Bodenschätzen in Zusammenhang stehen, wurden im Auftrag des Bistums Bamberg fortgesetzt, das seit dem frühen 11. Jahrhundert im gesamten oberen Lavanttal reich begütert war.

Die Kirche St. Oswald selbst wurde wohl noch vor dem Jahr 1072 erbaut und der Überlieferung nach reich ausgestattet. Noch Jahrhunderte später zählte die kleine Oswaldikirche zu den am besten dotierten Kirchen des Lavanttals und Kärntens. Sogar einen eigene Pfarrer soll es hier gegeben haben.

Noch im 18. Jahrhundert machte die Kirche durch ihre finanzielle Ausstattung auf sich aufmerksam. Als nämlich 1734 die Leonhardikirche in St. Leonhard dringend ein neues Turmdach benötigte, liehen die Bewohner der Sommerau den Nachbarn weiter unten im Tal die beträchtliche Summe von 1.000 Gulden. Und auch für die St. Leonharder Kunigundekirche wurden einige Jahre später rund 6.400 Gulden vorgestreckt. Diese Freigiebigkeit der Pfarre Sommerau blieb jedoch keineswegs auf die Region beschränkt. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts sollen immerhin 3.000 Gulden in ein neues Priesterhaus in Klagenfurt investiert worden sein.

Was die Überlieferung noch verrät

Nach alter, von Generation zu Generation weitergegebener Erzählung soll die Oswaldikirche in der Sommerau einst über einem unterirdischen See errichtet worden sein. Der See wurde aus einer nahen Quelle gespeist, deren Wasser früher goldhaltig gewesen sein soll.

Beim ersten Anblick der Oswaldikirche fällt einem zunächst vor allem der mächtige, querrechteckige Turm auf, der ein niederes Pyramidendach trägt. Im Turm befindet sich bis heute ein alte Glocke, die aus dem Jahr 1689 stammt.

Im 17. Jahrhundert wurde der Innenraum der Kirche mit barocken Gewölben versehen, die eine frühere, flache Holzdecke ersetzten. Über dem quadratischen Chorraum hat sich noch das spätgotische Netzrippengewölbe aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten. Auf dem Schlussstein im Gewölbe befindet sich die Jahreszahl 1533, und über den spitzbogigen Fenstern sind die Jahre 1612 und 1726 verewigt.

Die heutige Innenausstattung der Sommerauer Kirche stammt teilweise aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Seitenaltar wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angefertigt und trägt eine Madonnenstatue. Der Hochaltar wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgestellt und zeigt Figuren der Heiligen Georg, Rochus und Sebastian. Auch eine Holzstatue des Apostels Jakobus d. Älteren und eine Statue des heiligen Oswald haben dort Platz gefunden. Interessant ist u.a. auch ein Bildnis, das Kaiser Heinrich II., den Gründer des Bistums Bamberg, und seine Gemahlin Kunigunde zeigt.

Seit jeher ist die Oswaldikirche in der Sommerau ein beliebtes Ziel von Wallfahrern. Vor allem am Oswalditag, der am 5. August, dem Todestag des Heiligen, gefeiert wird, sind zahlreiche Pilger auf dem Weg zur Kirche. Seit jeher findet hier am ersten Sonntag im August der „Oswaldikirchtag“ statt, der zu den traditionsreichsten Festen im oberen Lavanttal zählt.

Werner Thelian