Vor 80 Jahren: Heinrich Harrer und die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand

Am 4. August 1938, also vor 80 Jahren, berichtete u.a. “Das interessante Blatt” über die erfolgreich verlaufende Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand. Mit dabei der 26 Jahre alte Kärntner Bergsteiger Heinrich Harrer (1912 – 2006).

Heinrich Harrer und Fritz Kasparek mit ihren beiden deutschen Kollegen (oben, von links; darunter Harrer im Vordergrund).

In Obergossen in der Marktgemeinde Hüttenberg geboren, machte sich Harrer später nicht nur als Bergsteiger und Sportler einen Namen, sondern auch als Forschungsreisender, Berater und Freund des Dalai Lama sowie als erfolgreicher Buchautor (u.a. “Sieben Jahre in Tibet”). Harrer, der im Alter wieder in seine Heimat Kärnten zurückkehrte und schließlich auch dort starb, wurde das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg gewidmet. Im Museum werden weit über 5.000 Ausstellungsstücke bewahrt, die vom Menschen Heinrich Harrer, aber auch von seinen zahlreichen und international beachteten Reisen und Expeditionen erzählen. Harrers Buch-Bestseller “Sieben Jahre in Tibet”, in dem er entscheidende Abschnitte seines Lebens verarbeitet hat (v.a. die Begegnung mit dem Dalai Lama, aus der eine lebenslange Freundschaft erwuchs), wurde von Hollywood mit Brad Bitt in der Hauptrolle verfilmt.

Harrers Ruhm, der in weit über die Grenzen Österreichs und über Europa hinaus berühmt machte, begann mit der Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand 1938.

Damals schrieb “Das interessante Blatt”:

“Die letzte alpinistisch nicht erschlossene Wand der Alpen, die Eiger-Nordwand, wurde von zwei Seilschaften, einer Ostmärkischen und einer Münchner, trotz ungünstigen Wetters durchstiegen. Die vier deutschen Bergsteiger brauchten zu diesem Kampf mit dem ewigen Eis drei Tage und drei Nächte.

Das große Ziel ist erreicht. Die Eiger-Nordwand wurde zum erstenmal durchstiegen. Dass es zwei deutsche Seilschaften waren, die die Leistung unter den schwierigsten Verhältnissen und aller Ungunst des Wetters trotzend, vollbrachten, erfüllt uns mit besonderem Stolz. Die beiden Ostmärker Kasparek und Harrer waren zwanzig Stunden früher als die Münchner eingestiegen und mussten ein furchtbares Berggewitter über sich ergehen lassen. Überraschend schwer war der Übergang zum zweiten Eisfeld. Den härtesten Widerstand ­leistete ein Riss, nur zehn Meter lang, der den Einsatz aller Kräfte erforderte. Das Gestein ist hier unheimlich brüchig. Aber die vier ließen sich von keiner Schwierigkeit abschrecken.

Am Sonntagnachmittag hatten sie die letzte Wand der Alpen bezwungen. Harrer und Kasparek freuen sich über ihren Erfolg, zu dem sie von Partei und Staat herzlichst beglückwünscht ­wurden.”

Link-Tipp: Heinrich-Harrer-Museum

Werner Thelian

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